Mühlenverband Rheinland
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Windmühlen

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden im Gebiet des Rheinischen Mühlenverbandes fast noch ca. 300 Mühlen mit Windkraft betrieben. Von diesen sind bis heute 63 erhalten und mit Flügeln versehen. Erfreulich ist, dass etliche dieser technischen Kulturdenkmäler noch ihre originale Inneneinrichtung besitzen, mehr als zehn Windmühlen wieder funktionstüchtig sind und zahlreiche Mühlen besichtigt werden können.

Von den im Laufe der Zeit entwickelten Windmühlentypen sind auch am Niederrhein wichtige Beispiele zu finden. Als ältester Typ ist hier die Bockmühle (Abbildung rechts) anzutreffen. Sie besteht aus einem kastenförmigen Mühlenhaus, dass auf einem pyramidenartigen Bock ruht. Dieser Bock besteht aus Stützen, die in der Mitte den senkrechten Ständer halten, der weit ins Mühlenhaus ragt und dieses trägt. Damit die Flügel wegen der wechselnden Windrichtungen immer richtig "in den Wind" gestellt werden können, lässt sich das Mühlenhaus samt Flügeln mit Hilfe eines Steerts drehen.
  
 

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Eine Weiterentwicklung der Bockmühle ist die Kokermühle (Abbildung links). Diese Mühle besitzt ein wesentlich kleineres Mühlenhaus, jedoch einen großen Unterbau. Während sich bei der Bockmühle das gesamte Räderwerk, die Wellen und der Mahlgang im Mühlenhaus befinden, ist bei der Kokermühle dort nur noch der Antriebsmechanismus untergebracht. Das Herz der Mühle, der Mahlgang, befindet sich hier im Unterbau. Die Verbindung zwischen dem drehbaren Mühlenhaus und dem feststehenden Unterbau stellt ein hölzernes Rohr (eine Art Köcher = ndl. Koker) her, durch das die senkrechte Welle läuft, die den Mahlgang antreibt.

Die bis dahin üblichen hölzernen Mühlen bekamen gegen Ende des 14. Jahrhunderts durch den Ausbau von Stadttürmen eine steinerne Konkurrenz. Dabei kam auch erstmals die hölzerne Haube mit integriertem Flügelkreuz zum Einsatz, die auf dem oberen Mauerrand drehbar gelagert wurde. Mit Hilfe eines Innendrehwerks mit Stockgetriebe konnte man die Haube in die jeweilige Windrichtung stellen. Später wurden auch auf dem "flachen Land" zylindrische Turmmühlen errichtet.

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Ab etwa 1650 ging man, bedingt durch Änderungen der Getriebetechnik, von der zylindrischen zur konischen Bauweise über. Dadurch gewann man im unteren Teil der Mühle mehr Platz und konnte die Zahl der Mahlgänge auf zwei und mehr erhöhen. Gleichzeitig wurde durch die Verjüngung im oberen Teil der Mühle der Durchmesser sowie das Gewicht der Haube verringert. Neben der kegelförmigen Bauweise aus gebrannten Ziegelsteinen (und fälschlicherweise bei uns oft als Turmwindmühle bezeichnet) wurde eine Gemischtbauweise aus Holz und Stein, überwiegend in Achteckform, entwickelt. Man bevorzugte sie wegen ihres geringeren Gewichtes bei sandigem Untergrund.

Da dieser konische Mühlentyp zuerst in den Niederlanden gebaut wurde und von dort aus Verbreitung fand, setzte sich die Bezeichnung Holländermühle (Abbildung rechts) durch. Dort, wo dem Wind nichts im Wege stand, konnten diese Windmühlen zu ebener Erde errichtet werden. Es entstanden die Erdholländermühlen. Gab es am vorgesehenen Bauplatz jedoch durch Hindernisse nicht genügend Wind, wurde der Mühlenrumpf entsprechend höher gebaut und mit einem künstlichen Berg umgeben. Dieser Berg war erforderlich, damit der Müller von diesem Plateau aus die Flügel bespannen und die Haube in den Wind drehen konnte. Mühlen dieser Art nennt man Bergholländermühlen.

Oftmals wurden Windmühlen auch in dicht besiedelten Gebieten errichtet. Um gut an den Wind zu kommen, mussten sie besonders hoch gebaut werden. Da die Flügellänge wegen der Fliehkräfte eine vorgegebene Länge nicht überschreiten durfte, der Müller aber eine Arbeitsplattform brauchte, erhielt der Turm in einer bestimmten Höhe eine umlaufende Galerie. So entstanden die ein-, zwei- oder mehrstöckigen so genannten Galerieholländermühlen.

  

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Abbildungen aus: "Historische Mühlen und ihre Technik" von Rüdiger Hagen.